Osteodystrophie

(Nach einem Vortrag von Dr. Anja Ewringmann anläßlich der 14. Bundesdeutschen Meer- schweinchen- Ausstellung am 2. Juni 2001 in Frankfurt.)

Bei der Osteodystrophie handelt es sich um eine Stoffwechsel- erkrankung der Knochen. Normalerweise findet im Skelett ein ständiger Auf- und Abbau der Knochensubstanz, speziell von Kalzium und Phosphor, statt. Bei der Osteodystrophie wird den Knochen zwar das Kalzium entzogen, jedoch kein neues eingebaut. Dessen Platz wird durch weniger stabiles Fasergewebe ersetzt, so dass die Knochen aufgetrieben werden und das Skelett weich und instabil wird.

Vor einigen Jahren stellte sich heraus, dass Satinmeerschweinchen gehäuft an dieser Osteodystrophie erkranken. Es bestand der Verdacht, dass die Krankheit erblich bedingt ist und direkt mit der Erbanlage für das Satinfell zusammenhängt. Ob es tatsächlich so ist, d.h. ob alle Satinmeerschweinchen betroffen sind, wird nach neuesten Untersuchungen (Stand: 02.06.2001) angezweifelt.

Symptome:

Bei manchen Satinmeerschweinchen sind vor allem die Oberschenkelknochen betroffen, bei anderen Schädel und Kiefer. Das bedeutet, die einen haben zunächst Schwierigerkeiten bei Laufen und versuchen in der Ruhephase die Hinterbeine zu entlasten, die anderen beim Fressen, manche auch beides.

Bild rechts: Schweinchen mit Osteodystrophie der Hüft- gelenke. Das Weibchen stand kurz vor der Geburt, eine Weitung der Beckensymphyse ist zu erahnen, die Köpfe zweier Babies deutlich zu erkennen. Im Anfangsstadium bemerkt man an den Tieren Gewichtsabnahme bei norma- lem Fressverhalten, dann bevorzugen sie hauptsächlich Weichfutter, später Bewegungsstörungen und hoppelnden Gang. Bisher bekannte Ursachen (Fütterungsfehler, Leber- und Nierenerkrankungen, Mangel an Sonnenlicht) konnten bei den untersuchten Satinmeerschweinchen ausgeschlos- sen werden. Die Osteodystrophie ist bei ihnen weder aufzuhalten noch zu heilen.

Diagnose:

Röntgen (dazu ist bei Schweinchen nur in Extremfällen eine Narkose indiziert !) der Hüftgelenke in Rückenlage, wie die HD- Untersuchung beim Hund, röntgen des Schädels in zwei Ebenen (seitlich und von oben), erniedrigter Kalzium- (8,2 - 12,0 mg/dl) und erhöhter Phosphorgehalt (3,0 - 7,6 mg/dl) sowie eine deutliche Erhöhung der alkalischen Phosphatase (55 - 108 iU/l) im Blut (normale Blutwerte nach Hillyer/Quesenberry).

Ausschnitt des gleichen Bildes wie oben, stark vergrößert. Die Gelenkpfannen der Hüftgelenke sind deformiert, der Femurkopf des linken Beines (rechts) ist überhaupt nicht mehr zu sehen, der des rechten Beines in Auflösung begriffen. Aussagekräftig sind zunächst die Rönt- genbilder, man findet eine Änderung der Blutparameter erst nach dem Auftreten klinischer Symptome. Im Röntgenbild sind als erste Verdachtsmomente die sonst deutlich gezeichneten Ränder der Knochen verschwunden oder nur verschwommen sichtbar. Wenn Satintiere keine Veränderungen zeigen, sollen sie erst im Alter von etwa einem Jahr geröngt werden.

Bei der Osteodystrophie scheint es sich um einen genetischen Defekt zu handeln, der rezessiv vererbt wird und der die Kalzium- Resorption verhindert (Frau Dr. Ewringmann bezeichnet dies ausdrücklich als noch nicht belegte Spekulation).

Osteodystrophie tritt gehäuft im Alter von 1 - 1 1/2 Jahren auf. Nachdem in jüngster Zeit auch sehr alte Tiere ohne positive Röntgenbefunde untersucht worden sind, scheint es keine Krankheit aller Satintiere, sondern nur bestimmter Linien oder Zuchten zu sein.

Satinmeerschweinchen sind eine spezielle Zuchtform, die in allen Farben und Felltypen gezüchtet werden kann. Sie zeichnet sich durch besonders starken Glanz des Felles aus. Dieser wird dadurch hervorgerufen, dass die einzelnen Haare hohl sind. Im Bild rechts ein OD- unverdächtiges Meerschweinchen

Aktueller (12. März 2006) Stand der Untersuchungen:

Bei Satinmeerschweinchen sind gehäuft Osteodystrophien zu beobachten, deren Ursache bisher noch nicht abschließend geklärt ist; eine genetische Ätiologie muss jedoch vemutet werden (Ewringmann A./Glöckner B.: Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu; Enke Verlag, Stuttgart 2005)

Rechts die anatomischen Einzelheiten: das Becken mit den Hüftgelenkspfannen und die Oberschenkelknochen mit den passenden Köpfen. Deutlich ist in der Mitte zwischen den beiden Beckenhälften die Becken- Symphyse zu erkennen, die sich kurz vor der Geburt um bis zu 2 cm weiten kann (aus Cooper/Schiller; Anatomie of the Guinea Pig)

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