Lippengrind (Cheylitis)

Lippengrind

Lippengrind nennt man eine Entzündung von Lippen und Mundwinkeln bei Meerschweinchen. Die Behandlung erweist sich oft als sehr schwierig, weil die zur Entstehung möglichen Ursachen von sehr vielen Faktoren abhängig sind, die zuerst abgestellt werden müssen. Grundlage der Erkrankung sind Verletzungen an den Lippen, die durch Viren-, Bakterien- oder Pilzinfektionen kompliziert werden.

Lippengrind wurde lange Zeit als Mangelerscheinung (Vitamin C, essentielle Fettsäuren) zu erklären versucht. Das erscheint bei der jetzigen "Überversorgung" an Nährstoffen in der Heimtierhaltung aber nicht als sehr wahrscheinlich. Zur Therapie werden dennoch stets Vitamine und Fettsäuren erwähnt, weil sie die Ausheilung von Schleimhautläsionen unterstützen können.

 

Als Ursachen, deren Erforschung ist der schwierigste Teil, kommen in Frage:

  • Zahnfehlstellungen oder Speisereste zwischen den Schneidezähnen können zur Entstehung führen. Dann hilft es nur, die Zähne bis zur Abheilung regelmäßig zu reinigen. Das ist eine Fummelei, aber es lohnt sich.
  • Lippengrind kann als Folge von Bakterien- oder Pilzinfektionen entstehen. Juckreiz am Körper führt zum Kratzen und Beißen, dadurch kommen die Erreger in Kontakt mit der empfindlichen Schleimhaut der Lippen.
  • Analog zum Menschen wird eine Herpes- Virusinfektion als Ursache diskutiert. Bei mehreren Schweinchen heilte nach Auftragen einer Herpes- Salbe der Grind in zügig ab.
  • Bei allen Zuständen, die eine Glukosurie verursachen (Diabetes, Fütterung von Zucker und zuckerhaltigem Futter) kann es zu einer "Urinverbrennung" der Mund und Nasenschleimhaut kommen, man putzt sich ja schließlich das Popöchen stets ordentlich.
  • Bei dem exotischsten uns bekannten Fall von "Grind" war die Ursache eine Allergie auf Petersilie!! Und das bei einem Meerschweinchen!

Jede Therapie muß natürlich versuchen, zunächst einmal die Ursachen zu erkennen und abzustellen. Eventuell muss man einen Abstrich und ein Antibiogramm erstellen. In leichteren Fällen kann man zunächst ein schleimhautverträgliches Desinfektionsmittel einsetzen, das gegen Bakterien, Pilze und Hefen wirkt und zusätzlich mit Wundsalben behandlen. Am häufigsten kommen Präparate zur Anwendung, die eine antibakterielle, eine antimykotische und eine juckreizstillende Komponente haben. In Einzelfällen wird durch schnelle Erfolge nach dem Aufttragen von "Herpes- Salben" berichtet. Bei der Behandlung sollten die Grinder nicht entfernt werden, sie fallen im Erfolgsfall von selbst ab. Als fördernd für die Heilung haben sich vielfach Sonnenlicht und frische Luft erwiesen.

Je nach dem, wie sich das Problem dann weiter entwickelt, können auch parenteral verabreichte Antibiotika eingesetzt werden. Gerade an einer dem Mäulchen so nahe gelegenen Stelle sollte man mit Antibiotika möglichst sparsam umgehen, auch wenn es "schweinchentaugliche" Präparate sind.

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