Die Rolle der tiergestützten Therapie in der Suchthilfe

Wer ein Haustier besitzt oder anderweitig mit Tieren zu tun hat, wird die Situation kennen: Tiere haben ein besonderes Feingefühl dafür, wenn wir uns schlecht fühlen und können uns in schwachen Momenten eine große Stütze sein. Haustiere können uns aufmuntern, motivieren und sind einfach für uns da, wenn wir sie brauchen.

Das spezielle Einfühlungsvermögen von Tieren wird auch schon lange in der Behandlung von psychischen und seelischen Leiden sowie geistigen Behinderungen eingesetzt. Bestimmt hast du schon von Delphintherapien gehört. Zwar ist die wissenschaftliche Wirkungsweise gerade dieser Therapieart umstritten (sicherlich auch aus Sicht von Tierschützern), doch viele Betroffene berichten von positiven Veränderungen.

Wir möchten heute von einem spezifischen Themengebiet sprechen, in dem die tiergestützte Therapie ebenso bereits Erfolge erzielen konnte, nämlich in der Suchtrehabilitation. Hier konnten Tiere in einigen Fällen schon vielen Kranken helfen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und aus dem Teufelskreis der Sucht zu entkommen. Daher stellen wir dir hier ein Beispiel vor und zeigen dir, wie man sich diese Therapieform vorstellen kann und welcher Ansatz dahinter steckt.

Paradebeispiel: “Naturnahe Suchttherapie” in Rheinland-Pfalz

Im Fachkrankenhaus Vielbach im Westerwald wird schon länger das Prinzip der Tiertherapie verfolgt. Auf einer Fachtagung im Jahr 2013 wurde das Konzept der “naturnahen Suchttherapie” vorgestellt, um suchtkranken Patienten bei der Rehabilitation zu helfen. Es gibt eine ganze Reihe von Tieren, die dabei Hilfe leisten: Pferde, Gänse, Enten, Hühner, Hunde, Katzen und Hasen, um nur einige zu nennen.

Ein wichtiger Gedanke bei der Suchthilfe mit Therapietieren liegt darin, dass die Faktoren, von denen zum Beispiel Alkoholsucht ausgeht, durch die Beschäftigung mit den Tieren ersetzt werden. Nicht mehr durch das Trinken, sondern durch Streicheln, Füttern oder ähnliches werden damit Depressionen und Ängste abgebaut und entspannen sich Körper und Geist. Die Tiere im Krankenhaus Vielbach konnten den Patienten helfen, seelisch und physisch wieder zu sich selbst zu finden und die Probleme, die die Sucht mit sich brachte, zu bekämpfen.

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier stärkt vor allem die Kommunikation und sorgt für Freude. Die Beschäftigung und Fürsorge ersetzt die Langeweile oder die negativen Gedanken und damit auch das Bedürfnis des Trinkens, um Probleme zu lösen.

Neues Vertrauen aufbauen durch Tiere

Die Betroffenen bauen meistens eine echte Beziehung mit den Tieren auf, die ihnen hilft, wieder an sich selbst zu glauben und anderen vertrauen zu können. Denn nicht zuletzt entstehen viele Suchtprobleme durch Enttäuschungen und Einsamkeit. Den Tieren ist es egal, wer sie da streichelt oder gern hat, hauptsache, man kümmert sich liebevoll um sie. Die Verantwortung, die die Patienten gegenüber den Tieren haben, ist ein weiterer Aspekt, der unterstützt, dass sie sich gebraucht und in der Lage fühlen, Aufgaben anzunehmen und zu erledigen – und sich wieder um sich selbst und andere kümmern können.

In Vielbach jedenfalls – übrigens der einzigen Suchtklinik in ganz Deutschland, die streng nach dem Konzept der Tiertherapie arbeitet – hat man überaus positive Erfahrungen gemacht. Die dortigen Tiere haben einen heilenden Einfluss auf die Patienten, die ihre Betreuungsaufgaben sehr ernst nehmen und im Vergleich mit Patienten einer tierlosen Therapie bessere Ergebnisse erzielen, wenn es um die Heilung der Suchtkrankheit und wichtige Faktoren wie Selbstvertrauen und Persönlichkeitsentwicklung geht.

Fazit: Tiergestützte Therapie als Erfolgsfaktor

Das Beispiel der Fachklinik zeigt, dass die Einbindung von Tieren zur Rehabilitation von Suchtkranken eine Menge positive Effekte mit sich bringt. Wenn man außerdem bedenkt, dass viele Tiere aus Tierheimen stammen und in den Kliniken von den Patienten liebevoll versorgt werden, dann haben Mensch und Tier Vorteile von dieser Therapieform. Man kann nur hoffen, dass mehr Kliniken zum Wohle ihrer Patienten diese Chance ergreifen und die tiergestützte Therapie zur Suchtrehabilitation anbieten.