Besonderheiten der Meerschweinchen

Sinnesorgane

Irma Meier

Meerschweinchen können sehr gut riechen, das ist besonders wichtig bei der Futtersuche. Sie finden ihre gesamte Nahrung mit der Nase. Auch das Gehör ist ausgezeichnet. Das ist in der Natur lebenswichtig, um Fressfeinde rechtzeitig zu bemerken und sich so schnell wie möglich zu verstecken. Diese Reflexe bilden sich auch bei den Hausmeerschweinchen nicht vollständig zurück. Das kennt jeder Halter, wenn nach einer unbedachten Bewegung oder einem ungewohnten akustischen Ereignis plötzlich alle Tiere wie vom Erdboden verschwunden sind.

Das Sehvermögen der Meerschweinchen ist gut ausgeprägt und sie haben einen relativ großen Gesichtskreis, d.h. die Seitlich am Kopf liegenden Augen vermitteln dem Schweinchen ein sehr großes Sehfeld mit einer bemerkenswerten Rundumsicht, ohne dass es seinen Kopf drehen muss. Dafür aber können die Tiere unmittelbar vor ihnen liegende Objekte schlechter erkennen. Untersuchungen haben ergeben, dass Meerschweinchen vor allem die Farben Rot, Gelb, Grün und Blau unterscheiden können. Auch in der Dämmerung finden sich Meerschweinchen noch relativ gut zu Recht - grelles Sonnenlicht mögen sie allerdings überhaupt nicht, weil sie es nicht durch ein Verengen der Pupillen abschirmen können. Was sie im Nahbereich nicht so gut erkennen wird sofort erschnüffelt. Die Tiere mit roten Augen sind lichtempfindlicher, weil ihnen die "eigebaute Sonnenbrille" fehlt.

Die Verständigung untereinander erfolgt akustisch und über die Körperhaltung. Die Stimmlage reicht vom leisen, beruhigenden Piepsen bei Unterhaltungen über leises Quieken bei Aufregung oder Schmerzen über vernehmbares Bromseln als Dominanzverhalten oder Warnung an Kolleg/Innen, bis hin zu lauten Pfeifkonzerten, wenn der Verdacht besteht, dass ein Betreuer Futter bringen könnte.

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So klingt es, wenn ein Meerschweinchen auf sich aufmerksam machen möchte.

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So klingt es, wenn der Chef erzieherisch tätig oder hinter einer der Damen her ist.

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So klingt es, wenn ein Schweinchen schimpft oder in Ruhe gelassen werden möchte, etwa von einem Futterdieb oder einem lästigen Bock

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So klingt es, wenn die Kühlschranktüre geöffnet wird oder der Verdacht besteht, es könnte etwas zu essen geben.

Eine besondere Lautäußerung der Schweinchen ist das "Zirpen"

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chirpen, cirpen oder zirpen

Das Wort "zirpen" ist lautmalerisch und beschreibt besondere Lautäußerungen der Meerschweinchen ziemlich genau. "Cirpen" ist der wissenschaftliche Ausdruck, als "Vogelgezwitscher" wird es in der Umgangssprache bezeichnet.

Lisa Meier

Viele Meerschweinchenbesitzer haben diese Laute schon einmal gehört. Sie sind ganz anders, als die sonstigen Geräusche der Tiere. Es hört sich an, als würde ein Vogel zwitschern. Fast könnte man meinen, die Meerschweinchen würden "singen".

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Als "Gegenveranstaltung" zu einem Feuerwerk gab Lisa schweinisches Liedgut zum Besten. Was es wirklich damit auf sich hat, ist eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Schweinchen, kein Mensch durfte das je erfahren. Manche glauben an "schlechte Vorzeichen", wir sind der Ansicht, dass es sich entweder um "Streß- Abbau" oder um einen "song of love and joy" handelt. Hier wurde dieser Gesang schon mehrfach gehört, meist von einem der Mädels als so eine Art "prämenstruelles Syndrom".

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Zähne

Meerschweinchen besitzen 20 Zähne, im Unter- und Oberkiefer je 2 Schneide- und 8 Backenzähne (2 Prämolare, 6 Molare), die alle offene Wurzeln haben und ständig weiterwachsen. Durch das Nagen an harten Gegenständen und das Zermahlen von Heu nutzen sich die Zähne gleichmäßig ab. Das Kiefergelenk ist als "Schlittengelenk" ausgebildet. Die Schweinchen zermahlen ihr Essen und schleifen gleichzeitig die Backenzähne durch Vor- und Rückwärtsbewegung der Kiefer aneinander ab.

Trächtigkeit

Anne Meier 8 Tag vor der Geburt ihrer Babies

Wenn eine Schweinedame trächtig ist, schwellen etwa ab der 4. Woche die Zitzen an, ab der 6. Woche sind ganz leichte Bewegungen spürbar, die dann von Woche zu Woche heftiger werden. Vorher ist eine Trächtigkeit meistens nur an einer gleichmässigen Gewichtszunahme zu erkennen.

Die künftige Mutter muss deswegen nicht extra verwöhnt werden! Sie soll unter Beobachtung mit den anderen Tieren zusammen bleiben, ganz normal gefüttert und ihr Zustand so gut es geht ignoriert werden. Überfüttern oder zusätzliche Leckereien anzubieten kann wesentlich mehr schaden als nutzen (Trächtigkeitstoxikose!).

Das Gewicht der Babies kann bis zu 35 - 37% des Gewichtes der Mutter betragen, das ist das höchste Verhältnis, das es bei allen Säugetieren gibt. Das ist vergleichbar mit einem "Menschenwurf" von 25 kg! Beeindruckend!

Kiki Meier mit zwei von Annis Söhnen

Nach einer Trächtigkeitsdauer von 60 - 72 Tagen bringen die Mütter 2 - 5 Kinder zur Welt. Diese sind keine Nesthocker, sondern Miniaturausgaben ihrer Eltern. Sie laufen sofort wieselflink herum, essen ganz normal, werden aber trotzdem 2 - 3 Wochen von der Mutter gesäugt. Da sie bereits im Alter von 4 - 5 Wochen geschlechtsreif werden können, sollten die Knaben rechtzeitig von den Mädchen getrennt oder frühkastriert werden werden, sonst könnte es zu einer "explosionsartigen" Vermehrung kommen.

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sonstiges

Meerschweinchen sind, genau wie auch der Mensch, nicht in der Lage, Vitamin C in ausreichender Menge selbst herzustellen und deshalb darauf angewiesen, diesen lebenswichtigen Stoff über das Futter aufzunehmen. Dazu brauchen sie aber keine Vitaminzusätze, Obst und Gemüse enthalten Vitamine in ausreichender Menge für ein gesundes Tier.

Penicillin ist für Meerschweinchen "giftig"! Das hängt mit der für die Verdauung zuständigen Darmflora zusammen, die aus rein grampositiven Keimen besteht. Die Verabreichung kann zu heftigem Durchfall und plötzlichen Todesfällen führen. Zum Glück gibt es auch unschädliche Antibiotika.

Sehr wichtig ist es, dass Meerschweinchen einen Teil ihres Kotes fressen. Durch diese sog. "Koprophagie" werden die Vitamin B und K aufgenommen, die im Blinddarm gebildet werden.

Die Beine sind etwas kurz geraten. Sie sorgen dafür, dass Meerschweinchen einen sehr tiefen Schwerpunkt haben und mit je vier Zehen an den Vorder- und je drei Zehen an den Hinterbeinen sehr schnell und wendig laufen und gut in der Erde graben können. Einen Schwanz wird man vergeblich suchen, Schweinchen haben zwar an ihrem Hinterteil 7 Schwanzwirbel aber keinen sichtbaren Schwanz.

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einige physiologische Daten
Körpergewicht männlich1000 - 1600 g
Körpergewicht weiblich 700 -1100 g
Geburtsgewicht50 - 120 g
Körpertemperatur37,4 - 39,5°C
Lebenserwartung4 - 8 Jahre
Futterverbrauch6 - 8 g /100 g KM am Tag
Wasserverbrauch10 ml / 100 g KM am Tag
Geschlechtsreife männlichab 4. Woche
Geschlechtsreife weiblichab 4. - 5. Woche
Zuchtreife männl.3 - 4 Monate
Zuchtreife weibl.4 - 5 Monate
Zykluslänge14 - 18 Tage
Brunstdauer8 - 11 Stunden
Trächtigkeitsdauer59 - 72 Tage
Wurfgröße2 - 5 Junge
Absetzalterab 4 Wochen und 300 g
Abgabealterüber 4 Wochen und 300 g
Atemfrequenz45 - 170 / Minute
Herzfrequenz230 - 380 / Minute
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