einige anatomische Details

Haare

Das Meerschweinchenfell besteht aus unzähligen Haarbüscheln (Gruppen von 12 - 20 Haaren) und jeder einzelne Büschel hat jahreszeitlich unabhängig seinen eigenen Rhythmus. Es wechseln sich eine Haarwachstums-, eine Übergangsphase, in der das Wachstum zum Stillstand kommt, mit einer Ruhephase ab, der nach einiger Zeit der Ausfall des betreffenden Haarbüschels folgt. Da diese Phasen bei den einzelnen Haarbüscheln zu unter- schiedlichen Zeiten stattfinden, wachsen stets gleich viele Haare nach wie ausfallen. Das Haarwachstum nicht saisonal gesteuert, wie z.B. bei Hund und Katze, bei denen ein vermehrter Haarwechsel im Frühjahr und im Herbst stattfindet. Bild oben: Haar vom Angora- Meerschweinchen (Stärke 50µm)

Der Haarausfall kann auf einer übermäßigen Östrogenproduktion (z.B. bei Zysten) beruhen. Diese Hormone wirken auf die in der Haut liegenden Haarfollikel, von denen das Haarwachstum ausgeht. Eine hohe Östrogenkonzentration bewirkt jedoch eine Synchro- nisation der Wachstumsphasen. Die Haarbüschel verharren letztendlich in der Ruhephase, was anschließend zu einem Überwiegen des Haarausfalls führt. Bild links: Haar eines Rosetten- Meerschweinchens (Stärke 100µm)

Die Bilder wurden mit einem Rasterelektronenmikroskop bei 1000-facher Vergrößerung erstellt (Bilder: E. Völkel). Ein Menschenhaar hat etwa die Stärke von 80µm.

die Kaudaldrüse

Die Kaudaldrüse (glandula caudalis) ist eine etwa 1 cm oberhalb des After medial gelegene Ansammlung von Talgdrüsen, die wahrscheinlich Sexuallockstoffe (Pheromone) produzieren. Sie ist beim männlichen Tier stärker ausgebildet (ca. 16 x 9 mm) als beim weiblichen (ca. 10 x 6 mm). Die Drüse ist sichtbar als etwas erhabene, ovale Region pigmentierter Haut und ist oft von öligen, verklebten Haaren bedeckt.

Kaudaldrüse

Das Sekret der Kaudaldrüse dient als individuelle "Duftnote" ähnlich den Analdrüsen des Hundes (bei Meerschweinchen fehlen diese Drüsen), an der sich die Tiere innerhalb einer Herde gegenseitig erkennen und als "Kupplung" bei der arttypischen Fortbewegung mehrerer Schweinchen im Gänsemarsch. Wichtige Funktion ist die Produktion "androgener oder östrogener Geruchskomponenten" zur sexuellen Stimulation interessierter Weibchen und pflichtbewußter Herren.

Sollte die Kaudaldrüse stark verschmutzt sein, kann sie problemlos mit einem Schampon abgewaschen werden, in Extremfällen hat sich ein Ohrreiniger für Hunde bewährt.

der Penis

Penis

Der "ausgetütete" Penis eines Bockes von oben betrachtet. Etwa in der Mitte liegt der Penisknochen (os penis, os priapi oder baculum), der bei Stürzen geschädigt werden kann. Der Penis ist mit unzähligen kleinen Häkchen aus einer hornartigen Substanz bestückt, daran sammeln sich häufig Fremdkörper wie Haare und Einstreu an, was zu üblen Entzündungen oder Abszessen führen kann. Penis eines Bockes von oben betrachtet

Penis

Die aus Horn bestehenden Anhängsel an der Spitze des Penis sind normal!! Ihre Funktion ist nicht bekannt. Sie sollten bei der Körperpflege nicht als Fremdkörper angesehen werden !!

Gelegentlich kommt es zu Penisvorfällen, besonders bei kastrierten Böcken und bei größeren Ansammlungen von Smegma im Präputium. Dann muss der Penis gereinigt, gespült und wieder in sein ursprüngliche Lage zurück gebracht werden.

die Perinealtasche

Perinealtasche

Die Perinealtasche (saccus perinei) ist eine unterhalb des After quer verlaufende flache Tasche aus dünner Haut (im Bild rechts Nr. 4). Sie enthält zwei Perinealdrüsen, welche eine ölige Flüssigkeit absondern. Sie ist bei beiden Geschlechtern angelegt, beim weiblichen Tier ist es nur eine schmale Spalte, beim Bock füllt sie den ganzen Raum zwischen Anus, Penis und den beiden Hodensäcken aus. Diese Tasche ist gewöhnlich mit Haaren, Hautschuppen und öligem Sekret gefüllt.

Das Sekret der Perinealdrüsen dient zum Markieren des Reviers und als Lockstoff beim Sexualverhalten. Es wird auf charakteristische Art abgegeben, indem der Bock die Tasche nach außen stülpt und so seine Duftstoffe auf den Boden abstreift. Dabei sammeln sich im Lauf der Zeit Einstreu- und sonstige Kleinteile und können zu Entzündungen und Verstopfung der Tasche führen. In dem Falle wird die Perinealtasche am Besten in Rückenlage mit einem Watteträger und Babyöl gereinigt.

das Skelett

 

Skelett eines Meerschweinchens

Halswirbel7
Brustwirbelmeistens 13 - manchmal 14
Lendenwirbel6
Sakralwirbel4 beim männlichen, 3 beim weiblichen Tier
Schwanzwirbel7 - aber keinen sichtbaren Schwanz!
Wirbel insgesamt:37 - 38 beim Bock, 36 - 37 beim Weibchen
Knochen insgesamt:256 - 261, abhängig von Alter/Geschlecht
  
Besonderheiten: 
Fabella und Lunulazwei weitere Sesambeine im Kniegelenk
os penis, os priapi oder baculumPenisknochen bei männlichen Tieren

 

Quellen:

Cooper, G./Schiller A.: Anatomy of the Guinea Pig; Harvard University Press 1975
Stanley-Spatcher V., Cambridge Cavy Trust Veterinary Hospital; M.B.A.R. Coursework papers